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Die Grenze, die sich gut anfühlte

Folge 3 der Serie "Das Leben, das niemand sieht"

Astrid Obersteiner

· 4 Min. Lesezeit

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Mara sitzt auf ihrer Couch und trinkt Kaffee.

Willkommen zu Folge 3 unserer Serie „Das Leben, das niemand sieht“.

In dieser Reihe begleiten wir Mara durch stille Alltagssituationen, in denen sich unbemerkt große innere Fragen öffnen. Die Geschichten verbinden erzählte Lebenserfahrungen mit psychologischer Einordnung und der Symbolsprache der Astrologie, als Einladung, den eigenen Unsicherheiten auf den Grund zu gehen und sich selbst ein Stück näherzukommen.

Ein spontanes Treffen am Abend, Daniels Nachricht auf dem Display Früher hätte Mara sofort zugesagt und ihre Pläne umgeworfen. In dieser dritten Folge entdeckt Mara, wie klärend es sich anfühlt, für den eigenen Wunsch nach Ruhe einzustehen, und erfährt, dass eine ehrliche Grenze die Verbindung zu einem anderen Menschen nicht gefährdet, sondern vertieft...

Einen Überblick über die Serie "Das Leben, das niemand sieht" findest du hier.

Um 19.32 Uhr vibrierte Maras Telefon auf dem Küchentisch. Sie erkannte Daniels Namen und öffnete die Nachricht. „Hey, bin gerade in deiner Nähe. Hast du Zeit? Wäre schön, dich zu sehen.“

Vor einigen Wochen hätte sie sofort zugesagt. Sie hätte die Wohnung aufgeräumt, ihre Pläne verschoben und lange überlegt, wie begeistert ihre Antwort klingen durfte. Ein spontan von Daniel eröffneter Abend hätte alles verdrängt, was sie sich selbst vorgenommen hatte.

Heute saß sie mit einem Buch auf dem Sofa. Eine Kerze brannte auf dem kleinen Tisch, und in der Küche wartete eine Suppe, die sie am Nachmittag gekocht hatte. Sie hatte sich auf diese Stunden gefreut, gerade weil nichts geschehen sollte.

Trotzdem meldete sich der alte Reflex. Ein Ziehen lief durch ihren Bauch, gefolgt von der Sorge, eine Absage könnte etwas kosten. Vielleicht würde Daniel beim nächsten Mal jemand anderen fragen. Vielleicht würde er ihr Zögern als mangelndes Interesse verstehen.

Mara las seine Nachricht ein zweites Mal. Früher hätte sie versucht, die Angst möglichst schnell durch eine Zusage zu beruhigen. Jetzt legte sie das Telefon neben sich und wartete, bis sie wieder spürte, was sie selbst wollte.

Der Wunsch war leise und eindeutig. Sie wollte zu Hause bleiben.

Mara schrieb, dass sie sich über seine Nachricht freue und den ruhigen Abend heute für sich brauche. Gern könne man sich an einem anderen Tag sehen. Bevor sie die Nachricht abschickte, las sie den Text mehrmals. Ihre Unsicherheit galt weniger dem Inhalt als der ungewohnten Erfahrung, den eigenen Wunsch auszusprechen, ohne ihn ausführlich zu erklären.

Daniels Antwort kam einige Minuten später. Donnerstag passe ihm ebenfalls gut. Mara betrachtete die Nachricht und musste lächeln. Die Verbindung war noch da. Gleichzeitig spürte sie etwas Neues, eine Form von Erleichterung, deren Ursprung in ihr selbst lag. Sie hatte sich ernst genommen.

Wenn eine Grenze wie ein Risiko wirkt

Menschen, die Nähe früh mit Anpassung verbunden haben, erleben Grenzen häufig als Gefahr. Eine Absage fühlt sich dann an, als würde sie die ganze Beziehung infrage stellen. Das Nervensystem erinnert sich an Situationen, in denen Zuwendung tatsächlich davon abhing, verfügbar, freundlich oder pflegeleicht zu sein.

Eine Grenze beschreibt, was ein Mensch braucht und wofür er gerade Kraft hat. Sie schafft einen verlässlichen Umriss. Ohne diesen Umriss entsteht leicht Erschöpfung, weil ständig gegeben wird, was man selbst benötigt.

Der Ton verrät oft, wie sicher wir uns mit einer Grenze fühlen. Angst führt zu langen Rechtfertigungen oder zu einer Härte, die den möglichen Widerspruch abwehren soll. Selbstachtung erlaubt einen ruhigen Satz. Mara muss Daniel weder überzeugen noch seine Enttäuschung vorsorglich auffangen.

Seine gelassene Antwort zeigt ihr außerdem, dass ein Teil der erwarteten Gefahr aus der Vergangenheit stammt. Diese Erfahrung kann das alte Muster langsam verändern.

Mars und Mond

Der Mond steht für Bedürfnisse, Empfindsamkeit und das unmittelbare Gespür dafür, was uns guttut. Ohne Schutz passt er sich leicht an die Stimmung anderer an und verliert dabei den Kontakt zum eigenen Rhythmus.

Mars gibt einem Gefühl Richtung und Ausdruck. Er hilft, einen Wunsch auszusprechen und für ihn einzutreten. Zu viel Mars kann verletzend werden, zu wenig lässt Bedürfnisse unsichtbar bleiben.

Im Zusammenspiel entsteht eine Grenze, die warm und klar zugleich sein kann. Der Mond sagt Mara, dass sie Ruhe braucht. Mars hilft ihr, diesen Wunsch in Worte zu fassen.

An diesem Abend hält Mara niemanden fern. Sie entdeckt, dass Nähe mehr aushält, wenn beide Menschen darin einen eigenen Platz behalten.

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Das Leben, das niemand sieht

3 Artikel · ca. 13 Min. Lesezeit

Alle 3 Artikel

Astrid Obersteiner

Seit über 30 Jahren beschäftige ich mich mit Astrologie – und mit einer Frage, die mich nie losgelassen hat: Warum erleben Menschen dieselben Situationen immer wieder, oft mit anderen Personen, aber mit demselben Gefühl? Aus dieser Frage ist meine Timeslot-Methode entstanden: Ich verbinde Ereignisse aus Ihrem Leben mit den astrologischen Zeitqualitäten, in denen sie geschehen sind. So wird sichtbar, wann ein Thema begonnen hat – und wann es wiederkehrt. Im LuniNora Magazin schreibe ich die Serie „Das Leben, das niemand sieht“. Darin begleite ich Mara durch Funkstille, Verlustangst und die Suche nach Selbstwert. Viele Leserinnen erkennen sich in ihr wieder. Wenn es Ihnen auch so geht: Rufen Sie mich an. Ich höre zu, ordne ein und zeige Ihnen, was jetzt für Sie dran ist.

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