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Wie sieht deine persönliche Ernte in diesem Jahr aus? Beraterin Simone Büngert gibt eine ganzheitliche Einordnung für den Oktober und zeigt, wie Erntedank und Jägermond uns dazu einladen, innezuhalten, Danke zu sagen und Raum für das Wesentliche zu schaffen. Eine inspirierende Perspektive auf die dunkler werdende Jahreszeit.
Der Oktober ist für mich ein ganz besonderer Monat.
Die Natur beginnt nun deutlich, sich zurückzuziehen. Die Blätter verändern ihre Farbe, die Tage werden kürzer und wir Menschen spüren: Die helle Jahreshälfte liegt langsam hinter uns. Doch bevor wir unseren Blick schon wieder auf das richten, was kommt, dürfen wir erst einmal schauen auf das, was gewachsen ist. Und damit meine ich nicht nur das, was auf unseren Feldern geerntet wird. Auch wir Menschen haben eine Ernte.
Was ist in diesem Jahr in meinem Leben gewachsen? Was habe ich gelernt? Welche Menschen sind an meiner Seite? Was ist mir gelungen? Und vielleicht auch: Welche Erfahrung war richtig schwierig, hat mich vielleicht sogar ordentlich durchgeschüttelt und mir am Ende trotzdem etwas Wertvolles gezeigt?
Denn mal ganz ehrlich: Nicht jede wichtige Erfahrung unseres Lebens kommt hübsch verpackt daher. Manches erkennen wir erst viel später als Teil unserer persönlichen Ernte.
4. Oktober 2026 – Erntedank
Am Sonntag, den 4. Oktober, feiern wir in diesem Jahr Erntedank. Für mich hat dieser Tag auch eine tiefe spirituelle Bedeutung. Denn Dankbarkeit bedeutet nicht, dass in meinem Leben alles gut sein muss.
Und Dankbarkeit bedeutet schon gar nicht, dass ich mir etwas schönreden soll, was nun einmal nicht schön ist. Sie bedeutet vielmehr, bewusst wahrzunehmen, was trotz allem da ist. Wir Menschen sind nämlich ziemlich gut darin, auf das zu schauen, was uns fehlt.
Auf das Ziel, das wir noch nicht erreicht haben. Auf den Menschen, der nicht mehr da ist. Auf einen Wunsch, der sich noch nicht erfüllt hat. Und dabei übersehen wir manchmal, was längst vor unserer Nase liegt. Erntedank lädt uns dazu ein, die Blickrichtung für einen Augenblick zu verändern.
Was habe ich bereits?
Vielleicht ist deine persönliche Ernte dieses Jahres keine große. Na und? Vielleicht besteht sie aus einer einzigen Erkenntnis. Aus einem Menschen, der geblieben ist. Aus dem Mut, endlich eine Entscheidung getroffen zu haben. Oder daraus, dass du nach einer schwierigen Zeit wieder begonnen hast, nach vorne zu schauen. Auch das ist Ernte. Und manchmal ist genau diese kleine, unscheinbare Ernte viel wertvoller als all die großen Dinge, von denen wir einmal glaubten, wir müssten sie unbedingt erreichen. Nimm dir an diesem Tag einen Augenblick Zeit und lege drei Dinge vor dich, die symbolisch für deine persönliche Ernte dieses Jahres stehen können. Das kann ein Apfel sein, eine Kerze, ein Foto, ein Stein, ein Blatt oder etwas ganz anderes. Es muss nichts Besonderes sein. Es muss nur für dich eine Bedeutung haben.
Und dann sage ganz bewusst:
Danke für das, was wachsen durfte.
Danke für das, was mich getragen hat.
Und danke auch für das, was mich etwas gelehrt hat.
26. Oktober 2026 – Der Jägermond
Der Vollmond im Oktober trägt traditionell den Namen Jägermond.
Dieser Name stammt aus einer Zeit, in der die Menschen sehr viel unmittelbarer mit den Jahreszeiten lebten. Nach der Ernte begann die Vorbereitung auf den Winter. Auf den abgeernteten Feldern war das Wild leichter zu erkennen und die Vorräte für die kommenden Monate mussten gesichert werden. Für mich steckt darin ein wunderbares spirituelles Bild:
Was brauche ich wirklich für die kommende Zeit?
Und da dürfen wir ruhig einmal ehrlich mit uns selbst sein. Wir können schließlich nicht alles mitnehmen. Und wir müssen auch nicht jeden alten Kram – innerlich wie äußerlich – bis in alle Ewigkeit mit uns herumschleppen. So wie unsere Vorfahren ihre Vorräte bewusst auswählten, dürfen auch wir unseren inneren Vorrat betrachten.
Welche Menschen tun mir gut? Welche Gedanken stärken mich? Welche Gewohnheiten tragen mich? Was gibt mir Kraft, wenn die Tage dunkler werden? Und was schleppe ich dagegen schon viel zu lange mit mir herum?
Ein Vollmond macht sichtbar.
Und deshalb darf dieser Jägermond für uns weniger eine Jagd nach etwas im Außen sein, sondern vielmehr eine Suche nach dem Wesentlichen in uns selbst. Denn wir suchen manchmal wie verrückt nach Antworten, Bestätigung, Sicherheit oder dem nächsten Zeichen. Dabei lohnt sich vielleicht erst einmal die Frage:
Wonach suche ich eigentlich noch – und was davon habe ich längst gefunden?
Der Oktober erinnert uns an einen Kreislauf
Ernten.
Danken.
Auswählen.
Vorbereiten.
Die Natur zeigt uns im Oktober sehr deutlich, dass nicht alles immer wachsen und blühen kann.
Es gibt eine Zeit des Säens. Eine Zeit des Wachsens. Eine Zeit des Erntens. Und eine Zeit des Ruhens.
Vielleicht sollten wir Menschen uns häufiger erlauben, ebenfalls in diesen natürlichen Kreisläufen zu leben. Du musst nicht das ganze Jahr über blühen. Du musst nicht ständig etwas Neues beginnen. Und du musst auch nicht jeden Augenblick deines Lebens optimieren.
Manchmal darfst du einfach sagen:
Jetzt ist auch mal gut.
Jetzt schaue ich auf das, was hinter mir liegt. Jetzt erkenne ich an, was ich geschafft habe.
Und vielleicht klopfe ich mir sogar einmal selbst auf die Schulter, anstatt schon wieder darüber nachzudenken, was ich als Nächstes besser machen könnte.
Manchmal besteht Entwicklung nämlich genau darin, stehenzubleiben und zu erkennen:
Das habe ich geschafft.
Das habe ich gelernt.
Das möchte ich behalten.
Und das darf nun gehen.
So ist der Oktober für mich nicht nur der Monat der bunten Blätter. Er ist ein Monat der Dankbarkeit, der persönlichen Ernte und der bewussten Vorbereitung auf die stille Zeit des Jahres. Und vielleicht ist genau jetzt der richtige Augenblick, dich einmal zu fragen:
Wie sieht eigentlich meine ganz persönliche Ernte dieses Jahres aus?
Und weißt du was?
Vielleicht ist sie viel größer, als du bisher gedacht hast.
Simone Büngert – Schattenblicke


