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Der Morgen, der ihr gehörte

Folge 2 der Serie "Das Leben, das niemand kennt"

Astrid Obersteiner

· 4 Min. Lesezeit

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Mara sitzt auf ihrem Bett und trinkt Kaffee
Inhalt · 2 Abschnitte

Willkommen zu Folge 2 unserer Serie „Das Leben, das niemand sieht“.

In dieser Reihe begleiten wir Mara durch stille Alltagssituationen, in denen sich unbemerkt große innere Fragen öffnen. Die Geschichten verbinden erzählte Lebenserfahrungen mit psychologischer Einordnung und der Symbolsprache der Astrologie – als Einladung, den eigenen Unsicherheiten auf den Grund zu gehen und sich selbst ein Stück näherzukommen.

Nach der Unruhe des späten Abends beginnt für Mara ein neuer Tag. Das Telefon liegt auf dem Nachttisch, doch diesmal bleibt die Hand unter der Decke. In dieser zweiten Folge entdeckt Mara, wie sich ein Morgen verändert, wenn der eigene Selbstwert nicht mehr von der Bestätigung im Außen abhängt...

Hast du die erste Folge der Serie verpasst? Kein Problem! Hier findest du die Übersicht zu allen bisher erschienenen Reihen von "Das Leben, das niemand sieht".

Um 6.48 Uhr wachte Mara auf, wenige Minuten bevor der Wecker klingelte. Das Zimmer lag im grauen Licht des frühen Morgens. Neben ihr ruhte das Telefon auf dem Nachttisch.

Früher hätte sie danach gegriffen, noch bevor sie richtig wach gewesen wäre. Der Blick auf den Bildschirm gehörte so selbstverständlich zu ihrem Morgen wie das Öffnen der Augen. Eine Nachricht konnte den Tag leicht machen, ihr Ausbleiben legte schon vor dem Aufstehen eine Schwere über alles.

Seit dem Abend mit Daniels knapper Antwort war etwas in Bewegung geraten. Mara hätte diesen Wandel kaum benennen können. Sie fühlte sich weder besonders stark noch frei von ihrer Sehnsucht. Dennoch blieb ihre Hand unter der Decke, während sie eine Weile dem Regen zuhörte.

Später zog sie die Vorhänge auf und setzte sich mit einer Tasse Tee ans Fenster. Auf der Straße fuhr ein Bus vorbei. Der Baum gegenüber verlor seine ersten gelben Blätter, und in einer Wohnung auf der anderen Straßenseite ging das Licht an. Mara spürte die Wärme der Tasse in ihren Händen und bemerkte, wie langsam ihr Atem geworden war.

Es war ein unscheinbarer Morgen. Gerade deshalb fühlte er sich kostbar an. Niemand verlangte etwas von ihr, und sie wartete auf keine Reaktion. Nach einer Weile fragte sie sich, wie es ihr eigentlich ging, wenn sie Daniels mögliche Gedanken für einen Moment aus ihrem Kopf entließ.

Die Antwort überraschte sie. Sie war ruhig. In der Küche wartete ein gewöhnlicher Arbeitstag, später ein Termin, auf den sie wenig Lust hatte, und im Kühlschrank stand kaum etwas für das Abendessen. Trotzdem war da eine stille Zufriedenheit, die keinen äußeren Anlass brauchte.

Als sie schließlich auf das Telefon sah, hatte Daniel geschrieben. Mara las seine Nachricht und legte das Gerät wieder hin. Das vertraute Ziehen im Bauch blieb aus. Seine Worte waren ein Teil ihres Morgens geworden, doch sie bestimmten ihn nicht mehr vollständig.

Wenn Bestätigung den eigenen Wert bestimmen soll

Viele Menschen richten ihre Stimmung unbemerkt an äußeren Signalen aus. Eine Nachricht, ein Kompliment oder ein freundlicher Blick vermittelt für kurze Zeit das Gefühl, gesehen und wertvoll zu sein. Bleibt dieses Echo aus, entsteht schnell der Eindruck, mit einem selbst stimme etwas nicht.

Dahinter steckt oft ein früher gelerntes Bedürfnis nach Rückversicherung. Wer seinen Wert vor allem in den Reaktionen anderer erkennt, beobachtet ständig, wie er wirkt. Diese Aufmerksamkeit fehlt dann im eigenen Erleben. Der Kontakt zu anderen wird angespannter, weil jede Begegnung zugleich eine Prüfung darstellt.

Achtsamkeit kann die Aufmerksamkeit zurückholen. Dafür braucht es keine besondere Übung. Eine Tasse Tee, einige bewusste Atemzüge oder ein Morgen ohne Telefon reichen aus, um den eigenen Zustand wieder wahrzunehmen. Mara beginnt zu spüren, wie es ihr geht, bevor jemand von außen eine Antwort vorgibt.

Ausstrahlung wächst aus dieser inneren Anwesenheit. Ein Mensch wirkt lebendig, wenn er bei sich ist und seine ganze Aufmerksamkeit nicht an die mögliche Bewertung anderer verliert.

Venus und Sonne

Venus stellt die Frage nach dem eigenen Wert. Sie zeigt, was wir lieben, wie wir Zuneigung empfangen und welchen Platz wir uns selbst in unserem Leben geben. Wird dieser innere Wert kaum gespürt, sucht Venus nach Ersatz in Zustimmung, Nachrichten und begehrenden Blicken.

Die Sonne steht für Identität und Lebenskraft. Ihr Licht entsteht aus dem eigenen Dasein. Es braucht kein Publikum, um vorhanden zu sein. Im Zusammenspiel mit Venus erinnert sie Mara daran, dass Selbstwert im täglichen Umgang mit sich selbst wächst.

Dieser Prozess führt selten zu einem dauerhaften Gefühl von Sicherheit. Er zeigt sich in kleinen Entscheidungen. Mara lässt das Telefon liegen, trinkt ihren Tee und gibt dem eigenen Morgen wieder Raum.

Als Daniel später schreibt, freut sie sich über seine Nachricht. Ihre Ruhe hing zu diesem Zeitpunkt bereits an etwas, das in ihr selbst begonnen hatte.

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Das Leben, das niemand sieht

2 Artikel · ca. 9 Min. Lesezeit

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Astrid Obersteiner

Seit über 30 Jahren beschäftige ich mich mit Astrologie – und mit einer Frage, die mich nie losgelassen hat: Warum erleben Menschen dieselben Situationen immer wieder, oft mit anderen Personen, aber mit demselben Gefühl? Aus dieser Frage ist meine Timeslot-Methode entstanden: Ich verbinde Ereignisse aus Ihrem Leben mit den astrologischen Zeitqualitäten, in denen sie geschehen sind. So wird sichtbar, wann ein Thema begonnen hat – und wann es wiederkehrt. Im LuniNora Magazin schreibe ich die Serie „Das Leben, das niemand sieht“. Darin begleite ich Mara durch Funkstille, Verlustangst und die Suche nach Selbstwert. Viele Leserinnen erkennen sich in ihr wieder. Wenn es Ihnen auch so geht: Rufen Sie mich an. Ich höre zu, ordne ein und zeige Ihnen, was jetzt für Sie dran ist.

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